Dengue in Bayern – der Klimawandel verschiebt die Risikokarte
Was vor wenigen Jahren noch als exotisches Tropenrisiko galt, ist 2026 in Südeuropa angekommen: Dengue-Fieber. Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) hat sich inzwischen in weiten Teilen des Mittelmeerraums etabliert und wurde sogar in Süddeutschland nachgewiesen. Die STIKO hat 2024 ihre Empfehlungen angepasst und rät Reisenden in Endemiegebiete – darunter inzwischen auch Teile Südeuropas – zur Dengue-Impfung mit dem Impfstoff Qdenga.
Dieser Wandel zeigt exemplarisch, warum Reiseimpfungen kein Nischenthema mehr sind. Die Grenzen zwischen heimischen und tropischen Gesundheitsrisiken verschwimmen. Wer heute eine Reise plant – egal ob nach Thailand, Kroatien oder Kenia – muss sich mit einem breiteren Spektrum an Impfungen auseinandersetzen als noch vor fünf Jahren.
Reiseboom 2025: Mehr als 70 Millionen Auslandsreisen
Nach den pandemiebedingten Einschränkungen hat der Reisetourismus ein neues Rekordniveau erreicht. Über 70 Millionen Auslandsreisen unternahmen Deutsche im Jahr 2025 – mehr als je zuvor. Dabei verschiebt sich das Reiseverhalten: Fernreisen nach Südostasien, Mittel- und Südamerika und Ostafrika verzeichnen deutliche Zuwachsraten. Gleichzeitig wächst die Beliebtheit von Abenteuer- und Backpacking-Reisen, bei denen der Kontakt zu Natur und lokaler Bevölkerung enger ist als bei klassischen Pauschalreisen.
Was viele Reisende unterschätzen: Je individueller die Reise, desto wichtiger wird der Impfschutz. Wer abseits touristischer Pfade unterwegs ist, hat ein höheres Risiko für Infektionskrankheiten wie Tollwut, Japanische Enzephalitis oder Typhus. Und selbst für beliebte Reiseziele wie Thailand oder Bali empfehlen die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin (DTG) und das Centrum für Reisemedizin (CRM) ein umfassendes Impfprogramm.
STIKO-Updates 2024: Neue Empfehlungen, neue Relevanz
Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat 2024 mehrere wichtige Aktualisierungen vorgenommen, die Reisende direkt betreffen. Die bedeutendste Änderung betrifft den Dengue-Impfstoff Qdenga: Er wird nun für seropositive Reisende empfohlen – also für Personen, die bereits eine Dengue-Infektion durchgemacht haben und erneut in Risikogebiete reisen. Die Kosten liegen bei 200 bis 300 Euro für zwei Dosen.
Darüber hinaus hat die STIKO die FSME-Empfehlungen erweitert. Neue Risikogebiete in Norddeutschland sind hinzugekommen, und auch Reisende nach Mittel- und Osteuropa sollten ihren FSME-Schutz prüfen. Diese Updates verdeutlichen: Reiseimpfungen sind ein dynamisches Feld. Was vor zwei Jahren noch nicht empfohlen wurde, kann heute Standard sein.
Kostenschock: Was Reiseimpfungen wirklich kosten
Viele Reisende erleben eine böse Überraschung, wenn sie die Rechnung für ihren Impfschutz erhalten. Die Kosten summieren sich schnell, besonders bei Fernreisen, für die mehrere Impfungen gleichzeitig empfohlen werden. Ein Überblick über die gängigsten Reiseimpfungen und ihre Kosten verdeutlicht das Problem.
| Impfung | Kosten pro Person | Dosen | Schutzdauer |
|---|---|---|---|
| Hepatitis A | 100-140 Euro | 2 | 25+ Jahre |
| Hepatitis A+B Kombi | 150-200 Euro | 3 | 25+ Jahre |
| Gelbfieber | 50-70 Euro | 1 | Lebenslang |
| Typhus | 30-40 Euro | 1 | 3 Jahre |
| Tollwut | 150-250 Euro | 3 | 2-5 Jahre |
| Japanische Enzephalitis | 400-600 Euro | 2 | 1-2 Jahre |
| Dengue (Qdenga) | 200-300 Euro | 2 | Noch nicht abschließend erforscht |
| FSME | 150-240 Euro | 3 | 3-5 Jahre |
Für eine typische Südostasien-Reise empfiehlt die DTG Impfungen gegen Hepatitis A und B, Typhus und Tollwut – je nach Reiseart auch Japanische Enzephalitis. Die Gesamtkosten liegen schnell bei 300 bis 600 Euro pro Person. Bei einer Familie mit zwei Erwachsenen und einem Kind kann der Impfschutz über 1.500 Euro kosten.
Die Gelbfieberimpfung ist ein Sonderfall: Viele Länder in Afrika und Südamerika verlangen den Nachweis einer Gelbfieberimpfung bei der Einreise. Ohne die Impfung wird die Einreise verweigert. Die Impfung ist mit 50 bis 70 Euro vergleichsweise günstig – muss aber in einer zugelassenen Gelbfieberimpfstelle durchgeführt werden.
Die Überraschung: Viele Kassen zahlen – aber kaum jemand weiss es
Hier liegt die gute Nachricht, die viel zu wenige Versicherte kennen: Rund 80 von 96 gesetzlichen Krankenkassen erstatten Reiseimpfungen ganz oder teilweise. Die Erstattung ist eine sogenannte Satzungsleistung nach § 11 Absatz 6 SGB V. Das bedeutet: Jede Kasse kann selbst entscheiden, ob und in welchem Umfang sie Reiseimpfungen übernimmt.
In der Praxis bedeutet das große Unterschiede. Einige Kassen erstatten alle von der STIKO oder DTG empfohlenen Reiseimpfungen vollständig. Andere beschränken die Erstattung auf bestimmte Impfungen oder setzen Obergrenzen. Wieder andere erstatten gar keine Reiseimpfungen. Die Crux: Die wenigsten Versicherten kennen die Leistungen ihrer eigenen Kasse und verschenken so bares Geld.
Wichtig zu wissen: Die Standardimpfungen, die von der STIKO generell empfohlen werden – etwa Tetanus, Diphtherie, Polio oder Masern – sind Pflichtleistungen nach § 20i SGB V. Diese muss jede Kasse übernehmen, unabhängig davon, ob die Impfung für eine Reise aufgefrischt wird. Die Abgrenzung zwischen Pflichtleistung und Satzungsleistung ist in der Praxis nicht immer eindeutig, was Versicherte zu ihrem Vorteil nutzen können.
Reiseimpfungen über die GKV abrechnen
- Pro
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- Rund 80 von 96 Kassen erstatten Reiseimpfungen – oft sogar vollständig.
- Standardimpfungen (Tetanus, Polio etc.) sind immer Pflichtleistung – auch wenn sie für die Reise aufgefrischt werden.
- Manche Kassen erstatten auch die reisemedizinische Beratung beim Tropenarzt.
- Contra
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- Erstattung variiert stark je nach Kasse – vorher informieren ist Pflicht.
- Nicht alle Kassen erstatten neuere Impfstoffe wie Qdenga (Dengue) sofort.
- Manche Kassen setzen jährliche Obergrenzen für die Erstattung.
Warum sich jetzt informieren lohnt – vor der nächsten Buchung
Die beste Zeit, sich mit Reiseimpfungen zu befassen, ist nicht zwei Wochen vor dem Abflug – sondern jetzt. Viele Impfungen benötigen mehrere Dosen im Abstand von Wochen oder Monaten. Für einen vollständigen Schutz gegen Tollwut sind beispielsweise drei Impftermine im Abstand von jeweils einer Woche nötig. Bei Hepatitis B sind es drei Dosen über sechs Monate. Wer zu spät anfängt, reist ohne vollständigen Schutz.
Auch der Kassenwechsel braucht Vorlauf. Die gesetzliche Kündigungsfrist beträgt zwei Monate zum Monatsende (§ 175 SGB V). Wer also feststellt, dass die eigene Kasse keine Reiseimpfungen erstattet, kann innerhalb von zwei Monaten zu einer besseren Kasse wechseln – rechtzeitig vor der nächsten Reise. Der Wechsel ist kostenlos und unkompliziert.
Wer früh beginnt, hat Spielraum für Kassenwechsel und mehrteilige Impfserien. Die Angaben sind Richtwerte und hängen von Reiseziel, Impfschema und Kasse ab – ohne Gewähr.
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Ab 3-4 Monate vorher Kassenleistungen prüfen, ggf. wechseln Sie klären, ob Ihre Kasse Reiseimpfungen erstattet. Reicht das nicht, ist ein Wechsel mit zwei Monaten Frist zum Monatsende möglich (§ 175 SGB V).
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Ca. 6-8 Wochen vorher Reisemedizinische Beratung und Impfplan Beim Haus- oder Tropenmediziner lassen Sie sich beraten und einen individuellen Impfplan auf Basis der DTG-Empfehlungen erstellen.
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Ca. 4-6 Wochen vorher Impfserien beginnen Mehrteilige Impfungen wie Tollwut oder Hepatitis B starten jetzt, damit der Schutz rechtzeitig aufgebaut ist. Bei knappem Vorlauf fragen Sie nach Schnellschemata.
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Bis kurz vor Abreise Letzte Dosen und Nachweise Sie schließen die Impfserien ab und sammeln alle Belege für die Erstattung. Gelbfieber muss spätestens zehn Tage vor Einreise erfolgen.
Ein konkretes Beispiel verdeutlicht das Sparpotenzial: Eine Familie plant eine dreiwöchige Rundreise durch Südostasien. Die empfohlenen Impfungen (Hepatitis A+B, Typhus, Tollwut) kosten für zwei Erwachsene etwa 800 bis 1.200 Euro. Bei einer Kasse, die alle Reiseimpfungen vollständig erstattet, sparen sie diese Summe komplett. Bei einer Kasse ohne Erstattung zahlen sie alles aus eigener Tasche. Der Unterschied: mehrere Hundert Euro – für die gleiche medizinische Leistung.
Häufig gestellte Fragen zu Reiseimpfungen 2026
Häufige Fragen
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Das hängt von Ihrer Kasse ab. Rund 80 von 96 gesetzlichen Kassen erstatten Reiseimpfungen als Satzungsleistung. Der Umfang variiert: Manche Kassen übernehmen alle von der STIKO oder DTG empfohlenen Impfungen, andere nur bestimmte oder bis zu einer Obergrenze. Fragen Sie direkt bei Ihrer Kasse nach oder nutzen Sie einen Kassenvergleich.
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Für eine typische Reise nach Südostasien (Thailand, Vietnam, Indonesien) empfiehlt die DTG Impfungen gegen Hepatitis A und B, Typhus und je nach Reiseart Tollwut und Japanische Enzephalitis. Die Gesamtkosten liegen bei 300 bis 600 Euro pro Person.
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Idealerweise sechs bis acht Wochen vor Reiseantritt. Einige Impfungen wie Hepatitis B benötigen mehrere Dosen über Monate. Auch Schnellschemata sind möglich, bieten aber manchmal einen weniger langanhaltenden Schutz.
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Ja, zunehmend. Die Asiatische Tigermücke hat sich in Südeuropa (Italien, Südfrankreich, Spanien) und vereinzelt in Süddeutschland etabliert. 2024 gab es lokale Dengue-Ausbrüche in Südeuropa. Die STIKO hat darauf mit aktualisierten Empfehlungen reagiert.
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Ja. Der Kassenwechsel ist nach § 175 SGB V mit zwei Monaten Kündigungsfrist zum Monatsende möglich und kostenlos. Sie können so gezielt eine Kasse wählen, die Reiseimpfungen erstattet.
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Für Ägypten empfiehlt die DTG mindestens eine Hepatitis-A-Impfung. Je nach Reiseart (ländliche Gebiete, längerer Aufenthalt) können auch Hepatitis B, Typhus und Tollwut sinnvoll sein. Standardimpfungen wie Tetanus und Polio sollten ebenfalls aktuell sein.
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Ja, soweit die Kosten nicht von der Krankenkasse erstattet werden. Reiseimpfungen zählen zu den außergewöhnlichen Belastungen und können in der Steuererklärung geltend gemacht werden – allerdings erst ab einer bestimmten Belastungsgrenze (abhängig von Einkommen und Familienstand).
Kassenleistungen vergleichen lohnt sich
Reiseimpfungen sind 2026 relevanter denn je – durch den Klimawandel, neue Reiseziele und aktualisierte Empfehlungen. Gleichzeitig sind sie ein erheblicher Kostenfaktor, der sich bei einer Familie schnell im vierstelligen Bereich bewegt. Die gute Nachricht: Ein Großteil der gesetzlichen Krankenkassen erstattet Reiseimpfungen. Die schlechte Nachricht: Die Leistungen unterscheiden sich erheblich.
Wer klug plant, informiert sich rechtzeitig über die Leistungen der eigenen Kasse und prüft, ob ein Wechsel sich lohnt. Mit zwei Monaten Kündigungsfrist ist der Kassenwechsel schnell erledigt – und kann bei der nächsten Fernreise mehrere Hundert Euro sparen. Vergleichen Sie die Kassenleistungen und finden Sie die Kasse, die zu Ihrem Reiseverhalten passt.
Weiterlesen im Thema
Diese Seiten vertiefen einzelne Aspekte und ordnen sie in den größeren Zusammenhang ein:
- Reiseimpfungen & Krankenkasse – die Übersicht zum Thema
- Checkliste: Perfekt vorbereitet für das Gespräch mit Ihrer Krankenkasse zu Reiseimpfungen
- Reiseimpfungen und GKV: Was Sie wirklich wissen müssen
- Reiseimpfungen bei der Krankenkasse beantragen: Der vollständige Leitfaden
- Alle 10 Anbieter im Vergleich
Quellen
Alle Paragraphen wurden am 23.08.2026 im Wortlaut bei gesetze-im-internet.de abgerufen.
- Ständige Impfkommission (STIKO), Robert Koch-Institut, passt die Empfehlungen laufend an neue Ausbreitungsgebiete an – der aktuelle Stand steht dort, nicht hier, abgerufen am 24.08.2026
- Schutzimpfungs-Richtlinie (SI-RL) des Gemeinsamen Bundesausschusses, Gemeinsamer Bundesausschuss, konsolidierte Fassung vom 19.03.2026, in Kraft seit 28.04.2026 – die Anlage wird laufend an neue Ausbreitungsgebiete angepasst; sie ist der aktuelle Stand, nicht der Artikel, abgerufen am 24.08.2026
- § 11 SGB V – Leistungsarten, Bundesministerium der Justiz, abgerufen am 23.08.2026
- § 20i SGB V – Leistungen zur Verhütung übertragbarer Krankheiten, Verordnungsermächtigung, Bundesministerium der Justiz, abgerufen am 23.08.2026
- § 175 SGB V – Ausübung des Wahlrechts, Bundesministerium der Justiz, abgerufen am 23.08.2026
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AOK
„Die AOK" ist keine einzelne Krankenkasse, sondern ein Verbund aus elf rechtlich eigenständigen Regionalkassen. Genau das ist bei Reiseimpfungen entsc...
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Thema abgeschlossen
Quellen: Satzungen, Konditionen und offizielle Angaben der jeweiligen Anbieter sowie gesetzliche Regelungen. Fachbegriffe erklären wir im Glossar . Stand: