„Kostenlos" gehört zu den am häufigsten strapazierten Werbeversprechen im deutschen Bankenmarkt. Praktisch jede Direktbank, jeder Neobroker und viele Filialbanken bewerben mindestens ein Girokonto als kostenlos. Die Realität: Echte Gebührenfreiheit – also Kontoführung, Karten, Bargeld, Überweisungen, alles dauerhaft für 0 Euro – existiert nur bei einer Handvoll Anbieter. Bei den meisten Konten werden die Monatsgebühren erlassen, solange bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Wer die nicht erfüllt, zahlt.
Dieser Ratgeber zeigt, welche Kostenebenen es gibt, wo die typischen Fallen liegen und welche Konten 2026 wirklich bedingungslos kostenlos sind. Ziel: Sie sollen in der Lage sein, die Gebührenseite eines Kontoangebots realistisch einzuordnen.
Kostenfalle 1: Mindestgeldeingang
Die Mindestgeldeingangsklausel ist die verbreitetste Bedingung für kostenlose Kontoführung. Typische Regelung: Monatliche Kontoführungsgebühr (meist 4,90 Euro) entfällt, wenn monatlich ein bestimmter Betrag auf dem Konto eingeht. Bei ING DiBa liegt die Grenze 2026 bei 1.000 Euro pro Monat, bei der Commerzbank bei 700 Euro, bei der DKB – je nach Modell – bei 700 Euro. Wer diesen Betrag nicht erreicht (Selbstständige mit unregelmäßigen Einnahmen, Studierende, Rentner mit kleiner Rente), zahlt die Grundgebühr.
Einen interessanten Ausweg bietet das Santander BestGiro: Es wird als kostenloses Girokonto ohne Mindestgeldeingang und ohne monatliche Kontoführungsgebühr beworben. Genau deshalb eignet es sich auch als Zweitkonto, für Umbuchungen oder als Pufferkonto, ohne dass laufende Gebühren anfallen. Wer ein echtes Hauptkonto ohne Bedingungen sucht, findet hier eine der wenigen verbliebenen Alternativen am Markt.
Kostenfalle 2: Karten, Karten, Karten
Die Girocard (frühere EC-Karte) ist bei deutschen Handelspartnern nach wie vor das wichtigste Zahlungsmittel. Überraschenderweise ist sie bei vielen Direktbanken kostenpflichtig: 4,90 bis 15 Euro pro Jahr sind Standard. ING DiBa stellt die Girocard optional für 0,99 Euro pro Monat zur Verfügung. Wer sie dauerhaft braucht, zahlt dort knapp 12 Euro pro Jahr zusätzlich. Als Basis-Zahlungsmittel ist bei vielen Neobanken dagegen die Debitkarte (Mastercard oder Visa Debit) kostenlos enthalten – die wird aber nicht an allen Kassen akzeptiert.
Bei der Kreditkarte wird es komplizierter. Standardkreditkarten sind oft kostenlos inklusive. Premium-Varianten mit Reiseversicherung, Lounge-Zugang oder Cashback kosten 30 bis 150 Euro pro Jahr Jahresbeitrag. Santander integriert die BestCard Premium teilweise mit Reiseversicherung. ING DiBa bietet mit DealWise-Cashback Rabatte bis zu 10 Prozent bei Partnerhändlern – der Effekt kann je nach Einkaufsverhalten mehrere Hundert Euro pro Jahr ausmachen und kostenlose Karten faktisch zu Gewinnbringern machen.
Kostenfalle 3: Bargeldabhebung an Fremdautomaten
Der Klassiker: Wer sich sein Bargeld an einem „falschen" Geldautomaten zieht, zahlt 4,90 bis 7,50 Euro pro Abhebung. Filialbanken arbeiten mit Verbünden (Cash Group: Deutsche Bank, Commerzbank, HypoVereinsbank, Postbank; CashPool: Santander, Sparda, Targobank u. a.). Innerhalb des Verbunds sind Abhebungen kostenlos, außerhalb teuer. Direktbanken umgehen das Problem über breitere Lösungen: ING DiBa erlaubt mit der Visa Debit weltweit an allen Geldautomaten kostenlose Abhebungen ab 50 Euro, auch in Fremdwährung.
Wer viel reist oder international einkauft, sollte besonders auf das Fremdwährungsmodell achten. Einige Banken nehmen bei Kartenzahlungen in Fremdwährung einen Aufschlag von 1,75 bis 2,5 Prozent auf den Umrechnungskurs, andere verzichten komplett darauf. Auf einen Jahresurlaub mit 2.000 Euro Kartenumsatz im Ausland können das 35 bis 50 Euro Zusatzkosten sein – oft mehr als die eingesparte Kontoführungsgebühr.
Entscheidender Unterschied: Abhebung im Verbund
- Filialbank (mit Verbund)
- Kostenlos, aber nur bei Verbund-Automaten
- Direktbank / Neobank
- Oft über alle Automaten möglich
Entscheidender Unterschied: Abhebung außerhalb Verbund
- Filialbank (mit Verbund)
- 4,90–7,50 Euro pro Vorgang
- Direktbank / Neobank
- Meist kostenlos ab 50 Euro
Abhebung EU-Ausland
- Filialbank (mit Verbund)
- Oft gebührenpflichtig
- Direktbank / Neobank
- Meist kostenlos (Mastercard/Visa)
Fremdwährung
- Filialbank (mit Verbund)
- 1,75–2,5 Prozent Aufschlag
- Direktbank / Neobank
- 0–1,5 Prozent, abhängig vom Anbieter
Bargeldkosten im Vergleich: Filial- vs. Direktbank (Stand: Juli 2026)
Kostenfalle 4: Dispozinsen
Der Dispokredit ist der unterschätzteste Kostenblock am Girokonto. 2026 liegen die Dispozinsen nach Anhebung der EZB-Leitzinsen bei deutschen Banken zwischen 7 und 12 Prozent pro Jahr. Wer sein Konto nur ein einziges Mal für einen Monat um 2.000 Euro überzieht, zahlt schnell 15 bis 20 Euro Zinsen – fast die gesamte Jahresersparnis gegenüber einem Gebührenkonto. Geduldete Überziehung (über den genehmigten Dispo hinaus) kostet zusätzlich 1 bis 5 Prozentpunkte.
Wer regelmäßig im Dispo ist, sollte den Wechsel auf einen Rahmenkredit oder einen Ratenkredit prüfen. Aktuell liegen Ratenkreditzinsen bei 5 bis 9 Prozent – also deutlich unter dem Dispo. Auch ein Wertpapierkredit bei Brokern wie FLATEX oder S-Broker kann eine Option sein (ab 5,90 Prozent), wenn Wertpapiere als Sicherheit hinterlegt werden können.
Kostenfalle 5: Überweisungen, Lastschriften und Papierauszüge
Während SEPA-Standardüberweisungen bei praktisch allen Anbietern kostenfrei sind, sehen Echtzeitüberweisungen (Instant Payments) unterschiedlich aus. Seit der EU-Verordnung vom 9. Januar 2025 müssen Banken Echtzeitüberweisungen zum selben Preis wie normale SEPA-Überweisungen anbieten – also bei kostenlosen Konten ebenfalls kostenlos. Santander BestGiro bietet Echtzeitüberweisung beispielsweise nativ und unbegrenzt an.
Ein übersehener Kostenblock sind Papierauszüge. Viele Banken berechnen für den postalischen Versand 1 bis 2,50 Euro pro Monat oder setzen eine Pauschale von 10 bis 30 Euro pro Jahr an. Wer sich dagegen für das digitale Postfach entscheidet, spart in der Regel die Kosten. Ebenfalls zu prüfen: Gebühren für Kartenersatz bei Verlust (meist 10 Euro), Daueraufträge in Papierform (in manchen Banken 5 Euro), PIN-Änderungen und Scheckausstellungen.
Kostenfalle 6: Minderjährige und Rentner
Einige Banken bieten für junge Erwachsene und Schüler kostenlose Konten an – allerdings nur bis zu einem Stichtag (oft 18, 21 oder 27 Jahre). Danach wird automatisch auf ein kostenpflichtiges Erwachsenenmodell umgestellt, oft ohne aktive Information des Kunden. Auch für Rentner mit geringer Rente können Geldeingangsbedingungen problematisch werden, wenn die Rente unter der Schwelle liegt. In beiden Fällen lohnt es sich, aktiv ein bedingungsloses Konto wie das Santander BestGiro als Alternative zu führen.
Häufige Fragen
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Zu den wenigen Konten ohne Mindestgeldeingang und ohne Kontoführungsgebühr gehört das Santander BestGiro. Es eignet sich als Haupt- oder Zweitkonto ohne laufende Kostenbelastung. Wer höhere Geldeingänge nachweisen kann (ab 1.000 Euro), profitiert bei ING DiBa von Cashback und 100-Euro-Startbonus.
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Das hängt vom Anbieter ab. ING DiBa fordert 1.000 Euro pro Monat, einige Mitbewerber 600 bis 700 Euro. Dabei zählen nicht nur Gehaltseingänge, sondern oft auch Rentenzahlungen und Selbstständigen-Einnahmen. Internaltransfers vom eigenen Sparkonto werden meist nicht anerkannt.
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Mit einer Visa- oder Mastercard-Debit-Karte deutscher Direktbanken ist Bargeldabhebung im EU-Ausland in der Regel kostenlos. Außerhalb der EU kann ein Fremdwährungsaufschlag von 1,5 bis 2,5 Prozent anfallen. Manche Karten (ING DiBa Visa, DKB Visa) sind weltweit ohne Aufschlag.
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Nicht überall. Bei ING DiBa kostet sie 0,99 Euro pro Monat extra. Bei vielen Neobanken gibt es gar keine Girocard, sondern nur Debitkarten (Mastercard oder Visa Debit), die in manchen deutschen Geschäften nicht akzeptiert werden. Für den Alltag lohnt es sich zu prüfen, welche Karte die Hauptakzeptanzstellen des eigenen Lebens abdeckt.
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Zwischen 7 und 12 Prozent pro Jahr, je nach Bank. Geduldete Überziehung (über den vereinbarten Rahmen hinaus) kostet zusätzlich 1 bis 5 Prozentpunkte. Ein Ratenkredit oder Wertpapierkredit ist fast immer günstiger.
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Für viele ja. Ein kostenloses Zweitkonto wie das Santander BestGiro dient als Pufferkonto, für separate Buchhaltung (Miete, Nebenkosten, Reisekasse) oder als Reserve bei Kartenproblemen. Solange es keine monatlichen Gebühren kostet, ist der Verwaltungsaufwand gering.
Fazit: Auf das Kleingedruckte achten
Ein „kostenloses" Girokonto kostet je nach Nutzungsverhalten schnell 50 bis 200 Euro pro Jahr. Entscheidend sind nicht die großen Werbeaussagen, sondern die Details der eigenen Nutzung: Geldeingang pro Monat, Zahl der Bargeldabhebungen, Reisehäufigkeit, Nutzung von Kreditkarten und Dispo. Wer ein bedingungsloses Konto sucht, findet im Girokonto-Vergleich auf unserer Themenseite eine Übersicht. Für die konkreten Profile empfehlen sich die Seiten zu ING DiBa und Santander.
Weiterlesen im Thema
Diese Seiten vertiefen einzelne Aspekte und ordnen sie in den größeren Zusammenhang ein:
- Kostenloses Girokonto 2026 – die Übersicht zum Thema
- Girokonto-Vergleich 2026: Direktbank vs Filialbank
- Girokonto wechseln: So funktioniert der Kontowechsel in 14 Tagen
- Alle 2 Anbieter im Vergleich
Quellen
Alle Paragraphen wurden am 24.08.2026 im Wortlaut bei gesetze-im-internet.de abgerufen. Das Zahlungskontengesetz gibt Ihnen zwei Werkzeuge an die Hand, mit denen sich jede Gebührenaussage vor und nach Vertragsschluss nachprüfen lässt.
- § 5 ZKG – Vorvertragliche Entgeltinformation, Bundesministerium der Justiz, abgerufen am 24.08.2026
- § 6 ZKG – Inhalt der Entgeltinformation zu den maßgeblichen Zahlungskontendiensten, Bundesministerium der Justiz, abgerufen am 24.08.2026
- § 10 ZKG – Entgeltaufstellung während und bei Beendigung des Vertragsverhältnisses, Bundesministerium der Justiz, abgerufen am 24.08.2026
- § 675f BGB – Zahlungsdienstevertrag, Bundesministerium der Justiz, abgerufen am 24.08.2026
- § 675g BGB – Änderung des Zahlungsdiensterahmenvertrags, Bundesministerium der Justiz, abgerufen am 24.08.2026
Empfohlener Anbieter
ING DiBa
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Quellen: Satzungen, Konditionen und offizielle Angaben der jeweiligen Anbieter sowie gesetzliche Regelungen. Fachbegriffe erklären wir im Glossar . Stand: